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Erhebung zum Höchsten:
Das ist höchste Weisheit: sein
Herz zu göttlichen Dingen erheben und durch Gleichgültigkeit
der Welt gegenüber zum Himmel streben (I,1,4) [EÜ=Eigene Übersetzung]
Löse Dein Herz vom Sichtbaren und
erhebe es zum Unsichtbaren (I,1,4) [EÜ]
Es kommt doch alles von einem
Worte her (Jo 8, 25), und alle Dinge zeugen im Grunde nur von
einem Worte, und dies eine Wort ist dasselbe Wort, das im Anfange
war (Jo 1,1) und jetzt auch zu uns redet. (...) Wer das eine in
allem findet, wer alles auf das eine zurückführt, wer in einem
alles sieht, der kann ruhigen, festen Sinn behalten und wird den
Frieden in Gott nie verlieren. (I,3,2)
Je mehr ein Mensch mit sich eins
geworden ist, und je einfacher er in seinem Innersten geworden
ist, um so mehr und umso Höheres wird er mühelos erlernen, weil
von oben das Licht der Erkenntnis kommt. (I,3,3) [EÜ]
Arbeit an sich selbst:
Wer hat den schwersten Kampf zu
bestehen? Der, der daran arbeitet, sich selbst zu überwinden! (I,3,3)
[EÜ]
O, wenn sie so rastlos daran
arbeiteten, hier Laster auszurotten, dort Tugenden zu pflanzen,
wie sie sich müde studieren, um ihresgleichen ein neues Rätsel
aufgeben zu können: ich denke, es würde nicht so viel Unrecht
auf Erden, nicht so viel Ärgernis in dem Volke, nicht so viel
Zuchtlosigkeit in den Klöstern sein. (I 3,5)
So viel ist sicher: Am Tag des
Gerichts wird man uns nicht fragen, was wir gelesen, sondern was
wir getan haben, und nicht, wie gut wir gesprochen, sondern wie
religiös wir gelebt haben. (I,3,5) [EÜ]
Glaube nicht jedem Worte, und
traue nicht jedem Geiste. Prüfe vielmehr alles, und prüfe es
wie vor Gott, mit aller Achtsamkeit und Beharrlichkeit. (I,4,1)
Wären wir uns selbst ganz
abgestorben, wäre unser Innerstes nicht im geringsten in das
geheime Spiel der Neigungen verflochten und darin verfangen: o,
dann könnten auch wir göttliche Dinge inne werden und von der
himmlischen Beschauung der Wahrheit hier schon einen Vorgenuss
bekommen! (I,11,3)
Wenn wir in jedem Jahr auch nur einen Fehler ausrotten, würden wir bald vollkommene Menschen sein. (I,11,5).
Der Mensch ist nie ganz sicher vor
Versuchungen - solange er hier lebt. Denn wir tragen den Keim der
Versuchung in uns selber... (I,13,3)
Kehre deinen Blick einwärts und
hefte ihn auf dich selber, auf dein Innerstes, und erkühne dich
nicht zu richten, was andere tun. (I,14,1)
Lerne Geduld haben mit fremden
Fehlern und alle Schwachheiten, wie sie immer heissen, tragen.
Denn sieh, du hast auch viel an dir, was andere tragen müssen. (I,16,2)
Da wird's denn offenbar, wie
selten wir unsern Nächsten mit demselben Auge ansehen, mit dem
wir uns anschauen. (I,16,3)
Der Weg der Sammlung:
Der Tag ward der Handarbeit und
die Nacht dem heiligen Gebete gewidmet; doch auch zur Zeit, da
die Hand arbeitet, dauerte der Feierabend des Geistes, das
inwendige Gebet des Herzens, ununterbrochen fort. (I,18,2)
[Bemerkenswert
ist es, dass Thomas hier auf das "Immerwährende
Herzensgebet" hinwies, das in späteren Jahrhunderten so grosse
Bedeutung in der Ostkirche erlangen sollte!/PB]
Unsere Vorsätze sollen nie
allgemein sein, sondern sie müssen stets auf etwas Bestimmtes
hin gerichtet sein, vor allem gegen das, was uns am meisten an
unserem Fortschritt hindert. Unser inneres und unser Äusseres
sind zu prüfen und zu ordnen, und beides [Prüfung und Ordnung/PB]
macht uns frei für unseren Fortschritt. Wenn du dich nicht ständig
gesammelt halten kannst, so sammle dich hin und wieder,
wenigstens am frühen Morgen oder am Abend. Am Morgen nimm Dir
etwas vor, und am Abend erforsche den Tag, wie Du ihn in Worten,
Werken und Gedanken gelebt hast; vielleicht hast du in ihnen öfters
gegen Gott und gegen den Nächsten gesündigt. (...) Sei nie ganz
untätig, sondern entweder lies oder schreibe oder bete oder
meditiere oder arbeite etwas Nützliches. (I,19,3-4) [EÜ]
Loslösung und Achtsamkeit:
Niemand kann sicher auf dem Markte
sich sehen lassen [das heisst: in der Öffentlichkeit sein], der
nicht gern ungesehen - daheim bleibt. Niemand kann sicher den
Mund zum Reden auftun als der ihn gern [auch] wieder schliesst
und geschlossen hält. Niemand kann sicher obenan stehen, als der
gern untenan steht. Niemand kann sicher befehlen, als der gelernt
hat - gehorsam zu sein. Niemand hat sichere Freude, als der das
Zeugnis des guten Gewissens für sich hat (...) Lieber! Versprich
dir doch in diesem Leben keine volle Sicherheit, wenn dich gleich
die Nachbarn für einen guten Ordensmann oder andächtigen
Einsiedler halten. Nicht selten sind gerade die, welche im Auge
der Menschen die besten waren, in die grösste Gefahr geraten,
weil die Zuversicht, mit der sie auf sich selbst vertrauten, viel
zu gross war. (I,20,3-4)
In Schweigen und Ruhe wird die andächtige Seele Fortschritte
machen und selbst die Dunkelheit der Schrift durchlichten lernen! (I,
20, 6)
Es ist doch keine wahre Freiheit
und keine wahre Freude zu finden, ausser in der Furcht Gottes und
in einem guten Gewissen. O selig, wer alles, was ihn hindert und
zerstreut, von sich werfen und sein Herz in sich sammeln kann, dass
es auftaut zur heiligen Reue. Selig, wer von sich stösst alles,
was sein gewissen beflecken oder drücken kann! (...) Gewohnheit
wird nur durch Gewohnheit überwunden. Wenn du die Leute gehen
und das Ihre tun lassen kannst, so werden sie dich auch gehen und
das Deine tun lassen. Lass fremde Dinge nicht zu nahe an dein
Herz kommen und verwickle dich nicht in die Geschäfte der Grossen.
Es ist einer, über den du stets vor allen anderen ein wachsames
Auge haben und den du zuerst unter allen deinen Lieben zu Herzen
reden sollst, und der eine bist du. (I,21,2)
Memento Mori:
Dächtest du öfter an deinen
nahen Tod als an die vielleicht bloss erträumte Länge deines
Lebens, ich glaube, du würdest das grosse Werk deiner Besserung
mit mehr Eifer betreiben. (I,21,5)
Das macht doch die Seligkeit des
Menschen nicht aus, dass er an zeitlichen Gütern mehr habe, als
er bedarf. (I,22,1)
Alles, was du denkst und tust,
alles soll so gedacht und so getan werden, als wenn du heute noch
sterben müsstest. Wenn Du wirklich ein gutes Gewissen hättest,
so würdest du nicht sonderlich vor dem Tode zittern. (...) Selig,
wer die Stunde des Todes immer vor Augen hat und sich täglich
zum Sterben rüstet! Wenn du einen Menschen sterben siehst, so
sprich zu dir: Diesen Weg muss ich auch gehen. Wenn die
Morgenstunde kommt, so rechne darauf, dass du vielleicht die
Abendstunde nicht mehr erlebst. Und wenn die Abendstunde da ist,
so wag es nicht, dir noch die Morgenstunde zu versprechen. So sei
denn immer bereit und lebe so, dass dich der Tod nie unbereitet
finden, nie überraschen kann. (...) Wenn deine letzte Stunde
wird gekommen sein, dann wirst du dein vergangenes Leben ganz in
einem anderem Lichte sehen, und es wird dir dein Herz zerreissen,
dass du im Guten so nachlässig und lau gewesen bist. (I,23,1-3)
O du Tor! Was schmeichelst du dir
mit der Hoffnung, lang zu leben, da du auch nicht auf einen Tag
sichere Rechnung machen kannst?! Wie viele haben sich mit
falscher Hoffnung betrogen und mussten zur Stunde, die sie schon
gar nicht für ihre letzte hielten, von dieser Welt abtreten! Wie
oft hast du erzählen hören: dieser ist erstochen worden, jener
ertrunken; dieser fiel vom Dache und brach sich den Nacken, jener
starb bei Tische, der beim Spiele; einen tötete das Feuer, den
anderen das Schwert, einen dritten die Seuche, einen vierten die
Mörder! So sterben alle dahin, und das Leben des Menschen geht
wie ein Schatten vorüber (...) O Freund! Jetzt, jetzt lege die
Hand ans Werk und tu, was du tun kannst. (I,23,7)
Denk immer an das Ende und dass die verlorene [vertane] Zeit nie wieder kommt.
(I,25,11).
Gottes Ruhe
Wer Jesus und die Wahrheit liebt, wer in sich
wohnt und dadurch ganz innig und von allen ungeordneten Neigungen frei geworden
ist, der kann sich alle Augenblicke ungehindert zu seinem Gott erheben, kann
sich über sich selbst im Geiste erschwingen, kann in Gott seligen Genuss und im
Genusse Gottes Ruhe finden. (II, 1, 6)
Echte Weisheit
Wer so weise ist, dass er alle Dinge für das halten kann, was sie sind, und
nicht für das, wofür sie von anderen gehalten und ausgegeben werden, der hat die
rechte Weisheit und hat seine Weisheit mehr von Gott als vom Menschen gelernt.
(II,1,7)
Liebe zum Menschen
Wenn du möchtest, dass Dich andere ertragen sollen, so ertrage Du sie zuerst.
Schau, wie fern Du noch bist von der wahren und demütigen Liebe, die über keinen
Menschen zornig oder unwillig werden kann ausser über Dich selbst. (II, 3, 2) [EÜ]
Mystische Vereinigung
O du mein liebster Bräutigam,Jesus Christus, du heiligster Freund
unsterblicher Seelen, du Gebieter und Beherrscher aller Geschöpfe!
Wer gibt mir die Flügel der wahren Freiheit, dass ich auffliege zu
dir, dass ich Ruhe und Seligkeit in dir finde? O wann wird es mir
gegeben werden, von allem, was mich bindet und hemmt, frei zu sein und
zu schauen und zu erfahren, wie süss es sei, dich, meinen Gott, zu
geniessen? Wann werde ich mein ganzes Wesen in dir allein sammeln und
in Liebe zu dir meiner selbst vergessen und nichts als dich, dich
empfinden und geniessen können, dich geniessen auf eine Weise, die
die wenigsten kennen und die alle gewöhnlichen Weisen und
Empfindungen übersteigt? (III, 21, 3)
Licht-Mystik
O ewig leuchtendes Licht, über alles erschaffene Licht
erhaben, sende
deinen Strahl aus der Höhe wie einen Blitz in mein Herz, und lass
ihn
das Allerinnerste meines Herzens durchdringen: Reinige, erhelle, belebe
und erfreue meinen Geist und alle seine Kräfte, dass sie dir in
dem Jubel der Entzückung ewig anhängen. O wann wird sie denn
kommen, die heilige, sehnenswürdige Stunde, dass deine Gegenwart
mich
sättige, dass du mir werdest alles in allem. (III, 34,3)

"Es ist vollbracht" Tuschmalerei von
Peter Busch. 2002
Letzte Bearbeitung dieser Website: Mai 2011
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